Das Brot vom Morgen lag ihm noch wohl im Magen und bildete eine wärmende Stelle in seinem Bauch, die er gern durch die dunstigen Strahlen des Morgens trug. Die Tröge vor der Tür liefen über und über voller Wasser, dass klar und glitzernd in einem Schwall sich aus dem Berge in die hölzernen Becken ergoss, als sei es ihm ganz natürlich, auf dem Weg vom Gipfel hinab auch hier vorbeizusehen.
Er hatte sich das Gesicht in der Frische gewaschen und leicht verwundert Richtung Horizont gesehen, als das kühle Nass noch einige Momente von seinem Bart tropfte und er ein bisschen nießen musste. Die Hände klopfte er sich an seiner Kleidung ab, beginnend an der Brust bis zu den Beinen klopfte er sich in kurzen Schlägen auf den Körper und lauschte unbewusst der Resonanz die hinter Wolle und Leder erklang, in seinem Rumpf.
Drüben hinterm Gipfel erklomm die Sonne einige Wolken und schickte gradlinige Strahlen zur Erde, zu den Bergen, hinunter ins Tal, gleichsam durchsichtig güldner Finger die die Erde in mildem Licht erleuchten. Er ging hinüber und warf den Schweinen einige Essensrest ins Gras, die noch schläfrig aus ihrer Hütte blinzelten und mit nur einem Grunzen ihre warmen Leiber dichter aneinander rieben und sonst still blieben. Still und klar war es an diesem Tag, dachte er bei sich, als er Wasser auffing, um es nach drinnen auf den Ofen zu tragen, wo er es aufwärmte, um es den Tag über zu trinken. Die Füße setzte er ins taunasse Grase draußen dann noch kurz, sah Gänsedisteln, Süßgras, Frauenmantel, der noch glitzernd Wasser trug, Löwenzahn, Weißklee, Wiesenschwingel und spähte nach seiner Lieblingsblume, dem blauen Enzian. Später würde er in den Hang steigen müssen, um weiter das Heu zu ernten, manche Gräser waren schon verblüht.
Seine Hände legte er kurz auf das warme Holz seines Hauses, das schon die Sonnenstrahlen wärmte und hielt inne. Dann hatte er das Schaf und die Ziege gemolken, rasch, und er hatte ihnen beiden einige Geschichten kurz erzählen wollen und seine Nase ins dichte Fell des Schafes gesteckt und die Augen geschlossen. Vom flauen Gefühl, dass er beim Aufstehen hatte war nichts geblieben. Im Haus schichtete er den Käse um, einige Laibe nahm er nach unten in das Lager mit und vergaß ganz die Zeit, als er eine Weile seine Augen nicht vom funkelnden Staub nehmen konnte, der in den Lichtstrahlen tanzte, die die Sonne von draußen durch die Wand schickte.
Er hatte einen anstrengenden Tag draußen im Hang, weil er im steilen Teil seines Feldes an diesem Tag stand, und weil sie Sonne selbst durch die kühle Bergluft drang und ihm auf die sehnige Haut schien. Aber seine Arbeit war monoton und dennoch abwechslungsreich, blickte er dann beim Sense schärfen auf das, was zu seinen Füßen lag und das, was seinen Kopf umgab. Ab und zu dachte er auch an die Birnen, die er heute im Keller erspäht hatte, im Licht der Sonnenstrahlen, die dort im Glas im Regal standen und wie süß sie ihm am Abend schmecken würden.
Ab und zu saß er auch nur da und blickte auf die Berge hinab, die sich noch in der Ebene erstreckten, und dann lachte er und erschrak kurz, als ihn etwas im Gesicht kitzelte und da die Katze mit großen Augen vor ihm auftauchte und ihre Vibrisse auf seiner Haut vibrierten. Einen kurzen Marsch weiter drüben im Hang sah er bunte Flecken sich bewegen, die Kühle zogen dieser Tage gern dort zwischen den krummen Bäumen hindurch.
Auf die Nacht hatte er noch etwas in der Stube Sachen hin und her getragen, einige Sachen geordnet, und auch die Birnen verspeist, die genauso süß und voller kleiner Knubbel waren, wie er sie sich vorgestellt hatte.
Leise hatte er vor seinem Buch gesessen und geschrieben, was er an diesem Tag geschafft hatte und welche besonderen Käfer und Pflanzen ihm heute aufgefallen waren. Auch die tanzenden Staubkörner erwähnte er kurz, oder eher sein Innehalten. Es war recht dunkel um ihn herum und neben sein Bett legte er sauber zusammengefaltete Wäsche für den nächsten Tag. Er lag auch schon bald auf seinem Lager, die Beine lang gestreckt, die Hände und Arme neben sich, voller Gedanken und im Dialog mit der Stille.
Den folgenden Tag würde er die Lastenseilbahn empfangen und darin einige Kleinigkeiten, selbstgemacht, etwas anderes wollte er nicht haben, von seiner Frau oder Geliebten, so genau war es ihm selbst gar nicht mehr wichtig, eine Gefährtin im Geiste, und doch weit entfernt, so dass er an sie denken musste, wenn er nachts nochmal hinaus huschte und da Lichter blinkten, im Tal, oder wenn er tagsüber kurz träumte, von vorher, von irgendwann oder einfach von ihrer weichen Haut. Und dennoch träumte er gerne vor sich hin, und lebte das Leben.